27.03.2014

Review: Captain America 2: The Winter Soldier

Endlich ist er da. Der neue, für dieses Jahr vorletzte Film aus dem Hause Marvel erreicht nach gefühlt hundert Trailern und Filmpostern die Kinos. Captain America: The Winter Soldier (oder wie er hier in Deutschland heißt: The Return Of The First Avenger) ist seit heute offiziell angelaufen und begrüßt uns zurück in Marvels Welt der Superhelden. Erneut setzt Kevin Feige, der große Mastermind hinter dem kompletten Marvel Film Universum, großes Vertrauen in einen eher unbekannten Regisseur (hier sogar einem Regisseurenduo). Die Brüder Anthony und Joe Russo, welche bisher eher für Filme und Serien aus dem Comedy Genre (Arrested Development, Community) bekannt sind, wurden engagiert, um Captain Americas zweites Soloabenteuer auf die Leinwand zu bringen.

Ich habe mir genau dieses Abenteuer angesehen und sage euch vorab: es war großartig. Warum mir der Film so gut gefiel und warum es sich auch für "Nicht-Marvelfans" lohnt, ins Kino zu gehen, erzähle ich euch in diesem Review...

Ich bin, wie ihr sicherlich mittlerweile bemerkt haben solltet, großer Fan von Comics. Speziell die von Marvel haben es mir schon seit frühestem Kindesalter angetan. Ich war Fan von Spiderman, Hulk, Daredevil, Blade, Fantastic Four, X-Men (ich rede hier von den Comics, nicht von ihren diversen Filmen) und vielen anderen Superhelden. Großes Interesse an Captain America hatte ich anfangs jedoch nicht. Er schien einfach immer ein bisschen langweilig und schreckte mich mit seiner oberflächlich ziemlich überpatriotisch anmutenden Art und Weise etwas ab. Erst viel später entdeckte ich, dass ich auf einem verdammt breiten Holzweg unterwegs war. Da sicherlich viele MAF-Leser bei der oberflächlichen Captain America Bewertung zustimmen würden, habe ich vor geraumer Zeit bereits eine kleine Charakteranalyse geschrieben, die nicht nur beleuchtet, dass Captain America viel mehr ist als ein hohler Typ der eine Flagge als Kostüm trägt, sondern auch meine Einschätzung des damals frischen Trailers beinhaltet. 

schnell und effektiv!
Captain America: The Winter Soldier schafft es, genau diese Stärken perfekt herauszuspielen. Cap (gespielt von Chris Evans) ist ganz klar ein sehr tugendhafter Held, ist jedoch fern von allwissend und merkt nicht, dass er möglicherweise als Schachfigur auf einem ihm nicht klar erkenntlichen Schachbrett missbraucht wird. Hier ist er, im Gegensatz zu seinem Auftritt im tonal äußerst differenzierten Erstling, keine 1-Mann Armee die alles schon irgendwie durch einen Wurf seines Schildes regelt. Generell bekommen wir hier eine 180 Grad Drehung im Stil und Genre des Filmes. Der erste Teil, welcher uns die Verwandlung von Steve Rogers zu Captain America Anfang der 40er Jahre zeigt, erzeugte eine gänzlich andere Stimmung als das, was die Russo Brüder uns in seinem neuen Film vorsetzen. Die zaubern uns nämlich einen an 70er Jahre Spionage-Thriller angelehnten Actionkracher auf die Leinwände, der nicht nur mit rasant geschnittenen Kampfsequenzen ala Die Bourne Trilogie aufwatet, sondern uns auch durch Nerven kitzelnden Dialogen und Plot-Twists auf Trab hält. Dieser Film ist mit großem Abstand der spannendste, den Marvel bisher herausgebracht hat. Die leicht (vermutlich sogar mit Absicht) klischeehaft anmutenden Promobilder mit den ominösen Untertiteln: "wem kannst du trauen?" oder "wer ist Freund und wer ist Feind?" unterstützen das Gefühl noch, dass wir es hier mit einer an alte Klassiker erinnernde Spionage/Doppelagenten-Story zu tun haben, wie sie zum Beispiel aus vielen Tom Clancy Romanen bekannt sind. 

Auch die vielen, wirklich gut eingebrachten Nebenfiguren wie Nick Fury (Samuel L. Jackson), Alexander Pierce (Robert Redford) und Sam Wilson/Falcon (Anthony Mackie) sind durch die Bank überraschend gut ausgearbeitet und lassen hoffen, den ein oder anderen auch im kommenden Avengers 2 prominent vertreten zu sehen. Speziell Falcon MUSS einfach seinen Weg in weitere Marvel Filme finden, da seine Dynamik zusammen mit Cap wirklich erfrischend ist. Diesmal nicht als Nebenfigur zu sehen ist Black Widow (Scarlett Johansson), die uns hier erneut als wohl mit Abstand stärkste weibliche Figur in einem Blockbuster der letzten hundert Jahre präsentiert wird. So cool, witzig und vor allem fähig sind weibliche Figuren in Actionfilmen viel zu selten. Doch nicht nur die Nebenfiguren bekommen nachvollziehbare Motivationen und ausgearbeitete Persönlichkeiten spendiert. Auch unser Main-Man Steve Rogers erhält deutlich mehr Details und Tiefe. 

Ich möchte wie immer, um nicht zuviel der Überraschung zu spoilern, wenig auf den Inhalt eingehen. Das was ihr im Trailer sehen konntet, reicht aus um einen groben Eindruck zu bekommen, wohin die Reise geht. Wer einige James Bond Filme gesehen hat, wird es auch nicht allzu schwer haben, die Story ein bisschen vorherzusehen - und wer in den letzten 10 Jahren mal ein Marvel Comic in der Hand hatte, weiß auch mit Sicherheit bereits (auch ohne meine Kolumne), wer der Winter Soldier (gespielt von Sebastian Stan) tatsächlich ist. Doch alles daran funktioniert so prächtig miteinander, dass es ziemlich unglaublich ist, wie schnell die mit 136 Minuten Laufzeit doch recht solide Länge des Films vorbeiziehen. Generell büßt der Film, trotz der deutlich dunkleren Thematik nichts vom etablierten Marvel Charme ein. Die Jokes sind stets punktgenau, lustig und lockern die Situation auf. One-Liner sind für Marvelfilme einfach obligatorisch und auch das Timing der Schauspieler funktioniert dank gutem Drehbuch perfekt. Hier erinnere ich mich direkt an eine Szene vom Anfang, in der sich Cap gewisse Dinge in sein Notizbuch schreibt, die er über die Jahre in der er im Eis eingefroren war, verpasst hat. Diese ist so charmant und clever gemacht, dass ein komplettes Kinopublikum, egal ob jung, alt, Mann, Frau, dick, dünn, schlau oder dumm, gemeinsam laut gelacht hat.    

Natürlich ist der Film, wie alle zueinander gehörenden Marvel Filme voll mit coolen Easter Eggs. Iron Man/Tony Stark und Bruce Banner/Hulk werden des öfteren erwähnt und sogar der Name einer Figur fällt, die wir zwar bisher noch nicht in einem der Filme gesehen haben, zu der laut Gerüchten jedoch seit langer Zeit ein Marvel Film in der Warteschleife ist: Dr. Strange! Es ist bekannt, dass dies Kevin Feiges Lieblingssuperheld ist. Es ist bekannt dass Marvel für 2016 plant einen neuen Superhelden vorzustellen, der bis jetzt allerdings noch unbekannt ist. Nicht wenige wetten, dass es sich hier um den größten Magier des Marvel Universums handeln könnte. Am Ende des Abspanns erwarten uns diesmal auch wieder 2 End-Credit-Scenes, wie wir es von Marvel mittlerweile gewohnt sind. Eine davon löst noch ein bisschen mehr zum gerade gesehenen Film auf, die andere kommt quasi direkt aus Avengers 2. Den Inhalt davon werde ich übrigens in einem komplett eigenen Bericht noch mal aufarbeiten, möchte jedoch erst allen Lesern die Gelegenheit geben, sich das Teil selbst im Kino anzusehen.

Wer also auf clevere, charmante Popcorn-Actionfilme steht, die im gesunden Windschatten einiger Verschwörungs-Thriller und dem 2012er Meisterwerk Avengers mitfliegen, sollte sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen.




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